19:00 Philosophisches Café
Thema zur Diskussion:
Menschheit „Quo vadis?“ Chancen und Gefahren in naher und ferner Zukunft
Referent und Moderation: Alexander Zauner
Ziel: Die kurz- und mittelfristigen Gefahren für die Menschheit den langfristigen Trends gegenüberstellen.
Abstract:
- Bild „Science Fiction“
Ich beginne mit dem Fermi-Paradoxon. Erläuterung: was ist das Fermi-Paradoxon? Welche Rolle spielt es im Zusammenhang mit dem Überleben der Menschheit? Eine raumfahrende Zivilisation hätte die gesamte Galaxis mehrfach besiedelt. Wenn es tatsächlich keine oder kaum außerirdischen Zivilisationen gibt, legt das nahe, dass ein großer Filter existiert. Ein Filter, der Zivilisationen davon abhält, Weltraumfahrt im großen Stil zu betreiben. Der Filter liegt in der Vergangenheit oder in der Zukunft der Menschheit.
- Bild „Harter Schnitt“
Umgekehrt wie bei Odyssee 2001 – Filmschnitt in die Vergangenheit: Toba. Ein Vulkan wird wirklich böse. Genetische Befunde legen nahe, dass vor ca. 70 000 Jahren beim Ausbruch eines Supervulkans in SO-Asien die Menschheit um ein Haar ausgestorben wäre. Weiters gab es fünf nachgewiesene globale Kataklysmen in der Erdvergangenheit. Ich werde darauf nicht im Detail eingehen, aber diese Ereignisse als Ausgangspunkt verwenden, um die Frage aufzuwerfen, welche großen Gefahren der Menschheit (und dem Leben auf der Erde insgesamt) drohen.
Allgemeines zu Gefahren:
Nach Nick Bostrom unterscheide ich da zuerst nach dem tatsächlichen Gefahrenpotential
- Globale Katastrophen (Global Catastrophic Risks: GCR) und
- Auslöschungsereignissen (Extinction Event: EE )
Dann unterscheide ich zwischen den Urhebern bzw. Auslösern:
- anthropogene (hausgemachte) und
- externen (natürliche) Gefahren
Auf externe Risiken (Supervulkane, Asteroiden, Supernovae etc...) gehe ich nur kurz ein um dann vor allem von Menschen verursachte Gefahren zu erläutern.
Anthropogene Gefahren:
- Atomkrieg: MAD Strategie, Kalter Krieg – Von Neumann, Hermann Kahn und das große Spiel. Gefahren drohen hier eher von einem Versehen oder einem Computerfehler. Risikoeinschätzung: An der Grenze zwischen GCR und EE.
- Ausbruch einer weltweiten Pandemie. Eine ansteckende Infektionskrankheit ist zwar natürlichen Ursprungs, ihre Ausbreitung kann aber sehr wohl mit Verkehrswegen und Infrastruktur zusammenhängen. Risikoeinschätzung: GCR
- Ökologische Katastrophen: Hier werde ich mich relativ kurz fassen und nur kurz auf einige der potentiellen Bedrohungen eingehen. Den tieferliegenden Ursachen der ökologischen Risiken widme ich mich im nächsten Kapitel. Risikoeinschätzung: GCR bis EE
- Totalitäre Systeme: Gefahren durch totale Überwachung und genetische Kontrolle sind zwar nicht von der Hand zu weisen, scheinen mir jedoch eher gering. Zumindest auf lange Sicht brach bis jetzt jedes totalitäre System an inneren Widersprüchen zusammen. Wenn Technologie auf totalitäre Herrschaftssystem irgendeinen Einfluss, glaube ich das der eher destabilisierend ist. Risikoeinschätzung: unter GCR-Grenze
- Ökonomischer und sozialer Zusammenbruch. Ursachen: Mit der Auflösung von Bretton-Woods wurde der Pfad der wirtschaftlichen und sozialen Angleichung und Konsenspolitik (Konvergiertungtheorie) verlassen und sowohl innerhalb einzelner Gesellschaftssichten als auch vor allem zwischen Staaten und Konzernen gehen die Einkommensunterschiede (und damit das Machtgleichgewicht) immer mehr auseinander. Helmut Schelskys nivellierte Mittelstandsgesellschaft lauft Gefahr eine nostalgische Reminiszenz zu werden. Unser politisches System befindet sich in einer fundamentalen Krise. Vor allem in den USA fühlen sich mehr als die Hälfte aller Bürger nicht mehr durch die etablierten Parteien vertreten. Risikoeinschätzung: GCR
- Terminator-Szenario oder unfriendly AI (auch hier Nick Bostrom): Viel deutet darauf hin, dass in den nächsten paar Generationen (vielleicht sind es auch 100 bis 200 Jahre) Computer mit Bewusstsein auf den Plan treten. Nach der Hypothese der Technologischen Singularität (Moravec, Kurzweil, Vernor Vinge) entwickeln sich Technologien rasant weiter, die Bewusstsein (Denkfähigkeiten) nachbauen und damit Intentionen haben. Dank exponentieller Wachstumskurven übertreffen diese menschliche Denkfähigkeiten bald um etliche Größenordnungen (Zauberlehrlingssyndrom). Wenn wir nicht im Vorfeld sicherstellen, dass solche Maschinen uns Menschen wohlgesonnen sind oder zumindest ihre Entfaltungsmöglichkeiten begrenzen, könnten sie zu dem Schluss kommen, dass sie uns nicht wirklich brauchen und uns schlimmstenfalls beseitigen. Risikoeinschätzung: EE
- Unknown unknowns. Irgendetwas, dass wir heute noch nicht kennen oder dessen Gefahrenpotential wir sträflich unterschätzen lauert auf uns und droht uns zu vernichten (z.B. Grey Goo-Szenario) Risikoeinschätzung: unmöglich
-
Danach wechsle ich zur 2. Hauptthematik: Langfristige Trends
Die 2 großen Metafragen der Geschichtsforschung:
- Gewalt (wie zähmen wir Homo-Sapiens?). Die schwierigste Domestizierung ist noch nicht abgeschlossen (aber schon sehr weit).
- Gibt es technischen / Zivilisatorischen Fortschritt? Kurzfristig sicher (Moorse Law) aber wie geht’s weiter?
- Ist unser Zivilisationsmodell stabil? Je komplexer die Welt wird desto anfälliger wird sie auch. Gerät eine Gesellschaft ohne ökonomisches Wachstum nicht zwangsläufig in eine Krise und führt umgekehrt unbegrenztes Wirtschaftswachstum nicht zum ökologischen Zusammenbruch? Feedback-Schleifen für soziales Verhalten versprechen Hoffnung.
Wenn wir die kurz- und mittelfristigen Probleme überstanden haben: wie lange werden wir überleben? (Kopernikanisches Prinzip sagt: nicht allzu lange) Wenn Zeit bleibt gehe ich kurz auf das Konzept der Kardarshew-Skalen ein.
Danach komme ich erneut die Fermi-Frage zurück. Werden wir, wenn wir die unmittelbaren Gefahren des Bevölkerungswachstums und der ökologischen Bedrohungen überstehen, beginnen den Weltraum zu kolonisieren oder gilt so eine Vorstellung dann als Traum einer vergangenen Zeit?
Abschließend
Fragen die fernste Zukunft betreffend. Über die Menschheit hinaus: Wie sieht die Zukunft von Zivilisationen im Kosmos aus? Nach heutigem Wissenstand eher düster.
Was ist zeitliche wie räumlich die physikalische Obergrenze für Zivilisationen? Wenn letztlich alle Zivilisationen zum Untergang verurteilt sind und jede Erinnerung an sie ebenfalls verschwindet: welchen Sinn hat das Ganze?
Kontakt: Alexander Zauner, aza.zauner090870@gmail.com